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Raketen zünden, Anstoßen mit Sekt und Bleigießen – die traditionellen Neujahrsrituale folgen in Deutschland einem festen Plan. Zwischen Nordsee und Alpenrand wird das alte Jahr stürmisch mit lauten Böllern und bunten Raketen verabschiedet, während sich Nachbarn auf der Straße mit gefüllten Sektgläsern zuprosten.

Doch welche Rituale werden in anderen Teilen der Welt in der Neujahrsnacht praktiziert? Wir zeigen, welche Rolle Weintrauben und kaputtes Geschirr in anderen Ländern spielen und warum das Koffertragen in einem Land ein traditioneller Neujahrsbrauch ist.

Dänemark: Geschirr zerwerfen als Neujahrstradition

Dänemark Neujahr Tradition TellerIm nördlichen Nachbarland Deutschlands wird der Jahreswechsel traditionell mit Freunden und Bekannten gefeiert. Zwei wichtige Ereignisse rahmen den Silvesterabend ein: Die Neujahrsansprache der dänischen Königin um 18.00 Uhr und der Glockenschlag der Uhr des Kopenhagener Rathauses um Punkt 0.00 Uhr, mit dem das neue Jahr begrüßt wird. Beide Events werden live im Fernsehen und im Rundfunk übertragen.

Zu den traditionellen Gewohnheiten gehört in der Neujahrsnacht das Zerbrechen von Geschirr vor der Tür von Freunden und Verwandten. Dieses dänische Ritual symbolisiert Freundschaft und Verbundenheit und soll den vertrauten Personen Glück für das kommende Jahr bringen. Als ungeschriebene Regel gilt: Je mehr zerschmetterte Teller und Tassen vor der Haustür liegen, desto glücklicher wird das neue Jahr.

Spanien: 12 Weintrauben für ein glückliches Jahr

Spanien Neujahr Tradition Weintrauben essenFröhlich, bunt und laut wird das alte Jahr in Spanien verabschiedet. Nach einem traditionellen Silvesteressen im Restaurant trifft man sich in Bars und Kneipen, wo zur Musik von Live-Bands getanzt und gesungen wird. Kurz vor Mitternacht versammeln sich Hunderttausende Spanier auf öffentlichen Plätzen, um ein ausgefallenes Neujahrsritual zu zelebrieren. Zu jedem der 12 mitternächtlichen Glockenschläge wird genau eine Weintraube verzehrt und in Gedanken jeweils ein Wunsch für das kommende Jahr formuliert.

Wer beim zwölften Glockenschlag nicht alle Trauben restlos verputzt hat, dem droht im neuen Jahr Ungemach. Ausschlaggebend für den zeitlichen Ablauf dieses Rituals sind die Glockenschläge der Rathausuhr in der spanischen Hauptstadt Madrid. Da jeder Glockenschlag drei Sekunden nachhallt, beginnt das gemeinschaftliche Traubenessen bereits 36 Sekunden vor Mitternacht.

Deutschland: Bleigießen für einen Blick in die Zukunft

Bleigießen an NeujahrDer Wunsch, einen Blick in die Zukunft zu werfen und das eigene Schicksal zu erkennen, führte zum Neujahrsritual des Bleigießens, das vor allem in Deutschland weit verbreitet ist. Bereits im Mittelalter versuchten sich die Menschen an dieser Orakeltechnik, bei der Blei mit einer Flamme erhitzt wird und das flüssige Schwermetall anschließend in kaltem Wasser zu bizarren Formen erstarrt.

Viel Zeit wurde früher in die Deutung der Formen investiert, die durch das blitzartige Abkühlen des Bleis entstehen. Bestimmte Formen gelten als Glücksbringer, während andere Motive als Vorboten unheilvoller Ereignisse angesehen werden.

Thailand: Wasserschlachten zum Neujahrsfest Songkran

Thailand Neujahr Songkran WasserschlachtDas Neujahrsfest Songkran wird in Thailand am 13. April gefeiert. An diesem Tag beginnt das neue Sonnenjahr, das in dem südostasiatischen Land mit einem ungewöhnlichen Ritual eingeleitet wird. Zwischen dem 13. und 15. April finden in allen Landesteilen riesige Wasserschlachten statt, an denen Kinder, Eltern und Großeltern teilnehmen. Ausgerüstet mit Wasserpistolen, Eimern und Wasserbomben bespritzen und bewerfen sich die Einwohner mit dem feuchten Element.

Selbst die Fahrer der landestypischen Tuk Tuks montieren die Dächer ihrer Gefährte ab, um eine nasse Dusche mit einem Lächeln im Gesicht über sich ergehen zu lassen. Begleitet werden die „Wasserfestspiele“ von ausgelassener Stimmung, zumal die Abkühlung im heißesten Monat des Jahres in Thailand höchst willkommen ist.

Peru: Kampfzeremonie zum Takanakuy Fest

Peru NeujahrfestAuf die Inkas geht ein Neujahrsbrauch in Peru zurück, der vor allem in den südlichen Anden-Regionen alljährlich praktiziert wird. Auf Touristen wirkt das Ritual befremdlich, wenn in den Straßen im Rahmen der rituellen Kämpfe zwei Gegner wild entschlossen aufeinander losgehen. Dabei haben die Prügelattacken einen religiösen Hintergrund, denn alten Überlieferungen zufolge, geht es darum, alte Zwistigkeiten aus dem alten Jahr zu beseitigen und das neue Jahr ohne Aggressionen und Feindschaften zu beginnen. Die Kämpfe werden von unbeteiligten Schiedsrichtern überwacht, die dafür sorgen, dass sich die Beteiligten keine schwerwiegenden Verletzungen zufügen.

Kolumbien: Koffer tragen für eine Reise in die Welt

Kolumbien Neujahr KoffertragenIn der kolumbianischen Kultur sind Aberglaube und alte Rituale tief verwurzelt und in der Neujahrsnacht werden im ganzen Land althergebrachte Bräuche zelebriert. Den Brauch des Weintraubenessens kurz vor Mitternacht brachten die spanischen Siedler in das südamerikanische Land. Darüber hinaus basteln viele Familien eine überlebensgroße Puppe, die am 31. Dezember vor das Haus gestellt wird. Vorher wurde die Puppe mit einer Unmenge an Feuerwerkskörpern präpariert, die um Mitternacht gezündet werden.

Die Figur steht symbolisch für die schlechten Ereignisse des zurückliegenden Jahres, die am Silvesterabend verbrannt werden. Beinahe skurril mutet das traditionelle Koffertragen in Kolumbien an. Die Einwohner schnappen sich nach Mitternacht einen leeren Koffer und patroullieren damit einmal um den Häuserblock. Mit diesem Brauch wird die Hoffnung verbunden, im neuen Jahr eine Reise in die weite Welt zu unternehmen und andere Länder kennenzulernen.

© Photos:
flickr.com/steffenz